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RE: keltische Mythologie

in Mythologie 02.06.2008 07:47
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

Der Begriff keltische Mythologie ist eine von der Sprachwissenschaft (Philologie) geprägte, heute zunehmend umstrittene Sammelbezeichnung für die Gesamtheit der Mythen, Sagen und Legenden der Kelten von der Zeit vor ihrer Christianisierung bis ins christliche Mittelalter hinein.



Ursprünge und Überlieferung


Die antiken Berichte über die Mythologie der Kelten ist äußerst bruchstückhaft und häufig politisch verfälscht worden. Daher sind die Überlieferungen der sogenannten "Inselkelten" aus dem Früh- und Hochmittelalter die wichtigsten Quellen der sogenannten "keltischen" Mythologie. Die auf linguistische Theorien des 18. und 19. Jahrhunderts zurückgehende Bezeichnung der vor-angelsächsischen Bevölkerung der britischen Inseln, Irlands und der Bretagne als "Insel- oder sekundäre Kelten" ist inzwischen stark umstritten. Eine Einwanderung keltischer Bevölkerungsteile vom Kontinent auf die Britischen Inseln läßt sich aus antiken Quelllen und archäologisch nicht nachweisen. Auch die in der Sprachwissenschaft (Keltologie) diskutierten indirekten bzw. rein sprachlichen Einflüsse, die die Britischen Inseln in spätantiker und frühchristlicher Zeit erreicht haben sollen, werden inzwischen bezweifelt. Es ist daher fraglich, ob die Überlieferung der sogenannten "Inselkelten" tatsächlich auf die Kultur der antiken (Festland-)Kelten zurück gehen, oder das Ergebnis eigener Traditionen und anderer Einflüsse darstellt. Ein weiteres Problem der inselkeltischen Überlieferungen besteht darin, dass sie über lange Zeit in Form von Sagen, Gedichte und Gesänge von Barden nur mündlich weitergegeben wurde. Im Laufe dieser mündlichen Überlieferung veränderten sich die Inhalte der zu Grunde liegenden Mythen und nahmen Einflüsse spätantiker (römischer) und frühmittelalterlicher (vor allem wikingerzeitlicher und christlich-angelsächsischer) Quellen auf. Erst zu Beginn des Hochmittelalters wurden die bis dahin mündlich überlieferten Sagen, Gedichte und Gesänge von christlichen Mönchen und christlich-höfischen Dichtern aufgeschrieben und dabei mit biblischen Überlieferungen oder früher ritterlicher Tradition verschmolzen. Dabei wurden die überlieferten Texte teilweise stark christlich umgedeutet und veränderten sich nochmals. Ob die den auf den britischen Inseln, in Irland und der Bretagne überlieferten, und von der Sprachwissenschaft als "keltische Mythen" bezeichneten Sagen, Gedichte und Gesänge überhaupt auf die antike Mythologie der Kelten zurückgehen, ist daher mehr als zweifelhaft. Trotz aller Zweifel an ihrer Authentizität bieten die sogenannten "keltischen" Mythen einen interessanten Einblick in die früh- und hochmittelalterliche Sagen- und Gedankenwelt der Britischen Inseln und Irlands.

Die Ursprünge der sogenannten "keltischen" Mythologie sind wohl in den religiösen (wahrscheinlich animistischen und totemistischen) Vorstellungen der mitteleuropäischen Bronzezeit zu suchen. Daneben spiegeln sich zahlreiche lokale Einflüsse und äußere Einflüsse unterschiedlichster Herkunft und Zeitstellungen in den überlieferten Texten.

Sprachwissenschaftlich wird die "keltische" Mythologie analog zur geographischen Aufteilung der verschiedenen keltischen Volks- und Sprachgruppen in mehrere Zweige aufgeteilt:

* Goidelisch (Irland, Schottland und Isle of Man)
* Britisch (Kymrisch, Kornisch, Bretonisch) (Zentral-England, Wales und Bretagne)
* Festlandkeltisch (Gallisch, Ostkeltisch, Keltiberisch) (Kontinentaleuropa)

Inhalte

Archäologische wie philologische Zeugnisse ergeben das Bild einer polytheistischen Anschauung mit zahlreichen lokalen und regionalen Göttern. Nur wenige Götter scheinen überregional verbreitet gewesen zu sein. Einheitliche religiös-mythische Vorstellungen oder gar eine einheitliche "keltische Religion" existierten nie. Die festlandskeltischen und britannischen Götter wurden in gallo-römischer und romano-britischer Zeit mit römisch-griechischen Gottheiten interpretiert und verschmolzen mit diesen.

Die auf den britischen Inseln, in Irland und der Bretagne überlieferten Mythen sind durchdrungen von archaischen, unsichtbaren oder vielgestaltigen Gottheiten, die Naturkräfte wie Erde, Meer und Himmel zu symbolisieren scheinen. Ähnlich wie in der griechisch-römischen Götterwelt gliedern sich die Götter in diese archaischen Urgottheiten und jüngere Göttergeschlechter wie den irischen Tuatha de Danaan, die als menschengleiche Götter auftreten und vielleicht auf einen Ahnenkult zurückgehen. Ein drittes Göttergeschlecht sind die frühen halbgöttlichen Könige und Heroen, die als Ahnherren mächtiger Adelsfamilien galten.

Antike keltische Mythologie

Die Mythologie der antiken Kelten ist weitestgehend verschollen. Römische Autoren überliefern nur wenige Bruchstücke wie eine unvollständige Gründungslegende Lugdunums durch den keltischen Lichtgott Atepomaros, die Erlegung eines gewaltigen Ebers durch den von Göttern bestimmten Helden Virunus bei den Noricern, sowie die kühne Behauptung einiger keltischer Stämme angeblich von einem Gott mit Namen Galates oder Keltos abzustammen (siehe auch den Namen der Galater). Diese keltischen Götter wurden von Griechen und Römern wahlweise mit einen Sohn des Apollon, des Herkules oder des Zyklopen Polyphem gleichgesetzt.

Bildmotive wie der Kessel von Gundestrup oder der Pariser Nautenpfeiler scheinen außerdem vom Mythos der Tötung eines Stieres, des Tarvos Trigaranos inspiriert zu sein. Außerdem wird der Sieg des Gottes oder Heroen Smertrios über eine mythische Riesen-Schlange und die Fällung eines Baumes durch den Gott Esus wiedergegeben. Aufgrund fehlender antiker Quellen ist die Deutung der abgebildeten Szenen aber überaus schwierig und umstritten.

Lateinische Inschriften auf Gallo-römischen Jupiter-Gigantensäulen aus dem heutigen Frankreich deuten zusätzlich auf einen keltischen Mythos hin, in dem der keltische Gott Taranis gegen erdgeborene Riesen kämpfte.

Angenommen werden Verwandtschaften und Einflüsse der Etrusker und der germanischen Mythologie, sowie Einflüsse der skythischen Kultur auf die antike keltische Mythologie, jedoch sind auch diese Einflüsse nicht gesichert.

Irisch-Gälische Mythologie

Die Mythen des alten Irlands beginnen mit dem Buch der Eroberungen. Es wurde in seiner überlieferten Fassung von irischen Mönchen aufgeschrieben, die die keltische mit der christlichen Überlieferung zu verbinden suchten. Es beschreibt die Besiedlung Irlands und wurde bis ins 19. Jahrhundert nicht als Teil des irischen Sagenzyklus, sondern als Geschichtswerk angesehen.

Danach gab es die Einwanderung sagenhafter Völkerschaften in Irland. Zuerst traf kurz nach der Sintflut Cessair oder Banba als erste Siedlerin in Irland ein. Ihr Gatte Fintan, Sohn von Bochra oder die analoge Gestalt des Tuan, Sohn des Cairell, überliefert von diesem Zeitpunkt an in verschiedenen tierischen, göttlichen und menschlichen Inkarnationen von der Geschichte der Welt. Nach der Sintflut erreichte der Vatermörder Partholan mit seinem Volk Irland, besiegte das dämonenhafte Volk der Formoren, legte die ersten Seen und Ebenen an und machte die ersten wichtigen Erfindungen. Nach der Auslöschung der Partholaner durch eine Seuche traf Nemed mit seinem Volk ein und setzte die Gestaltung der Insel fort. Nach einem Aufstand jedoch wurden seine Nachkommen von den zurückgekehrten Formoren besiegt und die wenigen Überlebenden flohen wieder über das Meer. Generationen später kehrten zwei Völkerschaften nach Irland zurück und beanspruchten die Insel für sich, die göttlichen Tuatha de Danaan, Nachkommen Iarbonels, die auf Inseln im Norden der Welt magische Kräfte erlangt hatten, und die Stämme der Firbolgs bzw. der Fir Domnann und Galioin, die in Iberien ein Dasein als Sklaven gefristet hatten. Die Tuatha de Danaan kämpften in zwei Schlachten auf der Ebene von Mag Tuired. In der ersten besiegten sie die Firbolgs und machten sie sich untertan, in der zweiten befreiten sie Irland von den Formoren und ihrem König Balor. Schließlich mussten die Tuatha de Danaan Irland an das Volk der Milesier abtreten, das von Halbgöttern, den Nachfahren des Beli und Vorfahren der Gälen angeführt wurde, und sich in das Reich der Toten im Inneren der Erde zurückziehen, auf Inseln weit jenseits des Horizonts, oder in magische Reiche unterhalb des Meeres. Von diesem Zeitpunkt an wurden sie von den Menschen als Götter verehrt.

Von den verschiedenen Einwanderungswellen sind archäologisch drei zu belegen:

* die Erstbesiedlung durch Jäger, Fischer und Sammler, die mythologischen Fir Bolg
* die Besiedlung durch die ersten Bauern, die mythologischen Tuatha Dé Danann
* die Ankunft der Glockenbecherleute oder Proto-Kelten, die mythologischen Milesier

Weitere Sagen des mythologischen Zyklus berichten von einzelnen Götterfiguren der Tuatha de Danaan. Spätere Sagen berichten von den frühen halbgöttlichen Königen der Milesier, wie zum Beispiel der Ulster-Zyklus, der hauptsächlich vom Helden Cú Chulainn und dem Epos des Rinderraubs von Cooley (Táin Bó Cúailnge) handelt. Der Fenier-Zyklus berichtet dagegen vor allem vom Helden Fionn mac Cumhaill und dem sagenhaften Kriegerbund der Fianna. Der Königszyklus oder Historische Zyklus berichtet von den späteren vor- und frühchristlichen Königsgeschlechtern Irlands und die Imramma von Reisen in die Anderswelt. Weitere Sagen berichten u.a. vom Leben irischer Heiliger.

Britannische Mythologie

Die Überreste der Britannischen Mythologie lassen sich grob in drei Gruppen aufteilen: mittelalterliche Texte in kymrischer sowie bretonischer Sprache und mittelalterliche Texte in lateinischer oder angelsächsischer Sprache.

Den irischen Invasionsmythen entsprechen britannische Entlehnungen, so gab es z.B. eine eigene, dem Irischen entlehnte, Version des Lebor Gabala, die um die Invasionsmythen der Pikten (Cruithin) und Skoten erweitert wurde.

Als sagenhafter Stammvater der Britannier galt Brutus oder Britto, ein Nachfahre der Trojaner und Blutsverwandter der Römer (an anderer Stelle jedoch Prydein der Sohn des Gottes Aedd Mawr). Bruchstückhafte Überlieferung in der Historia Brittonum erwähnen seine Landnahme Britanniens und Kämpfe gegen die Ureinwohner, sagenhafte Riesen.

Aus Wales sind vor allem die vier Zweige des Mabinogi zu nennen, in denen es um die euhemerisierten walisischen Götter aus dem Hause Dôns, der britannischen Entsprechung der Tuatha de Danaan, und des Hauses Llyrs geht, so „Pwyll, Fürst von Dyfed“, „Branwen, Tochter des Llyr“, „Manawydan, Sohn des Llyr“ und „Math, Sohn des Mathonwy“. Als weitere Sage, die Figuren aus dem Hause des Beli zum Inhalt hat, wäre noch „Die Abenteuer von Lludd und Llevelys“ zu nennen, die allerdings nicht mehr den vier Zweigen des Mabinogi zuzurechnen ist.

Des Weiteren zu erwähnen ist die frühe Artussage, zu welcher „Die Herrin des Brunnens“, „Kulhwch und Olwen“, „Der Traum Ronabwys“, „Peredwr, Sohn des Evrawc“, „Gereint, Sohn des Erbyn“, „der Traum Macsens“ und „Die Beraubung von Annwfn“ zuzuordnen sind. Außerdem damit verbunden die Sage von Taliesin.

Hinweise auf weitere, verschollene, Mythen enthalten die Walisischen Triaden.

Daneben existieren zahlreiche mittelalterliche Volks-und Heiligenlegenden, deren Ursprünge jedoch ungeklärt sind.


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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#2

RE: keltische Mythologie

in Mythologie 02.06.2008 13:18
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

Keltische Gottheiten
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Unter dem Begriff Keltische Götter versteht man allgemein die Gottheiten und Wesenheiten, die innerhalb der keltischen Kultur von den Stämmen Galliens, Britanniens, den Keltiberischen Völkern und den Ostkelten der Donauländer und Galatiens vor ihrer Christianisierung verehrt wurden.

Obgleich es einige Gottheiten gab, die sehr weit verbreitet waren, geht man doch heutzutage im allgemeinen eher von kleineren, lokal gebundenen Kultgemeinschaften aus. Die Archäologie bestätigte, dass die meisten bekannten Götternamen auf eher kleine geografische Räume begrenzt sind.

Anhand von Bilddarstellungen, Inschriften und Texten antiker Autoren sowie frühmittelalterlicher Sagen kann man heute aber zumindest einige „göttliche Archetypen“ ausmachen, die im gesamten keltischen Kulturkreis allgemein verbreitet waren.
Die Deutung der inselkeltischen Sagengestalten als Überreste altkeltischer Göttergestalten ist jedoch stark umstritten und wird von wissenschaftlicher Seite nicht allgemein anerkannt.
Bunte Blüten treiben allerdings derartige Deutungen in der neokeltischen Esoterikliteratur.

Männliche Gottheiten

Himmelsgötter und Götterkönige

Sehr weit verbreitet war das keltische Konzept eines „Himmelsgottes“, der später häufig mit dem römischen Jupiter gleichgesetzt wurde, der laut Cäsar als Beherrscher des Himmels und der Götter galt. Die bekanntesten Himmelsgötter sind Taranis, der als Donnergott galt und häufig mit Rad und Donnerkeil dargestellt wurde, sowie Cernunnos, der als Gott der Fruchtbarkeit Hirschgeweih trägt und eine Widderkopfschlange hält. Cernunnos wurde auch mit einem Beutel oder Füllhorn Getreide oder Regen an Rinder und Hirsche ausschüttend gezeigt, Münzdarstellungen zeigen ihn zudem auch als Radgott mit dem Radsymbol zwischen seinen Hörnern. Als Wohnstätten der Himmelsgötter galten auch hohe Berge, weswegen auch Berg- und Pass-Gottheiten wie Poeninus mit Jupiter gleichgesetzt wurden. Als "Regengott" wird der gallische Gott Aceio ("Wasserspender") angesehen.Die kleinasiatischen Galater verehrten einen Gott Bussurigios oder Bussumarios der dem griechischen Zeus, später dem römischen Sol Invictus gleich war. In der irischen Sage trifft die Beschreibung eines Himmelsgottes am ehesten auf die Gestalt des Dagda zu der über das Wetter und die Ernten gebieten soll. Aus den walisischen Mabinogi sind zwei mögliche Himmelsgötter namens Mellt und Taran bekannt deren Namen "Blitz" und "Donner" bedeuten.

Kriegs- und Stammesgötter

Besonders verbreitet war die Verehrung eines Kriegsgottes, von den Römern zumeist mit Mars gleichgesetzt. Unter den zahlreichen Namen sind Teutates, Camulos, Belatucadrus, Leucetius, Nodons, Neto und Meduris jene, von denen in der Literatur am meisten die Rede ist. Der Kriegsgott wurde zumeist als bewaffneter, behelmter Krieger mit Speer und Schild dargestellt, in Britannien auch mit kurzen Hörnern. Das Symbol des Kriegsgottes war der Eber. Interessanterweise war eine Hauptfunktion des Kriegsgottes die eines Heilers aber auch die des Beschützers des Stammes, außerdem die des Fluchgottes. In der irischen Sage erscheinen vor allem Formoren wie Neit, Cicholl oder Balor als Verkörperungen von Krieg und Zerstörung unter den Túatha Dé Danann erinnern eher Figuren wie Nuada, Camel, Ruadan oder Bresal an Kriegsgottheiten, der mit Meduris etymologisch verwandte Midir hingegen erscheint als relativ friedfertiger Gott. In den walisischen Mabinogi könnten Figuren wie Gwythyr, Gwydion oder Gwynn eventuell als "Kriegsgötter" interpretiert werden da sie sprachlich mit inschriftlich bekannten britannischen Kriegsgottheiten verwandt sind.

Götter des Lichtes und der Heilung

Eine besonders wichtige Art von Gottheit war der „Gott des Lichtes“, von den Römern zumeist mit Apollon identifiziert. Bekannte Namen einiger Lichtgötter sind Belenus, Bormo, Grannus, Maponos und Atepomaros. Der Gott des Lichtes war auch hauptsächlich ein Gott der heißen Quellen und der Heilung und galt als Vertreiber der Seuchen aber auch als musischer Gott der Dichtung und Künste. Wie die Literatur gezeigt hat, war er auch ein wichtiger Gott der Vorfahren und spielte in der Abstammung berühmter Familien eine Rolle. Dargestellt wurde der Gott des Lichtes meist als schöner Jüngling oder als Krieger mit einer Strahlenkrone. Eine britannische Darstellung zeigt einen „Lichtgott“ sogar als Lenker eines Streitwagens, sichtlich von spätantiken Darstellungen des Sol Invictus beeinflusst.In der irischen Sage besitzen Bile, Angus Og, Dian Cecht und sein Sohn Miach ausgeprägte Licht- und Heilungsattribute während in den walisischen Mabinogi Beli Mawr und Mabon mit keltischen Licht- und Heilungsgottheiten in Verbindung gebracht werden könnten.

Götter der Wege und des Handels

Der laut Cäsar wichtigste Gott der Gallier war der Gott der Wege, Beschützer des Handels und Erfinder aller Künste, der von den Römern zumeist als „Mercurius“ identifiziert wurde. Die bekanntesten Namen dieses und verwandter Gottheiten in Gallien sind Esus, Matunus, Cissonius, Atepomaros und Artaius. Der Gott der Wege war vermutlich weit weniger ein Gott der weltlichen Straßen als ein Psychopompos, der Geleiter der Verstorbenen in das Totenreich. Der gallische Gott hängt somit vielleicht mit dem germanischen Wodan zusammen. Der Gott Esus wurde dargestellt als bärtiger Mann, der einen Baum fällt oder sich mit einem Schnittmesser durch Geäst kämpft, andere Götter ähnlicher Funktion wurden wiederum eher in Anlehnung an römische Vorstellungen als junger Mann mit Schlapphut und Wanderstab dargestellt, wobei einige Figuren jedoch die Hörner eines Bocks oder Widders tragen was den keltischen Charakter dieser Götter hervorhebt. Zu Gallo-Römischer Zeit wurde in Lyon am ersten August das Fest des Mercurius-Augustus und der Maia-Augusta begangen, eine Inschrift aus Wilten scheint Kaiser Augustus als Sohn des Widdergottes Moltinus zu bezeichnen. Die Zuordnung inselkeltischer Sagengestalten zu diesem Göttertypos ist unsicher, in der irischen Sage erscheint vor allem Midir als mittler zwischen Menschen und der Anderswelt, Figuren wie Math, Easar oder Fiachna die zwar namentlich mit keltischen Gottheiten in Verbindung gebracht werden könnten weisen eher eine Affinität zu Zauber und Magie auf als zu den Attributen des Merkur (der jedoch bei den Römern und auch sonst als der Gott der Magie galt). Ähnliches gilt für walisische Sagengestalten wie Math oder Gwydion.

Götter des Handwerks

Wichtig in der keltischen Welt waren die Götter des Handwerks, obgleich es keine wirkliche schriftlich nachweisbare keltische Entsprechung eines Vulcanus oder Hephaistos gab. Neben einer Anzahl von Darstellungen die einen göttlichen Schmied oder Metallschmelzer zeigen, gab es auch einige Namen wie Carpentus, der ein Gott der Zimmerleute war oder Lugos auch in der Mehrzahl als Lugoves erscheinend, die Götter des Schusterhandwerks waren. Einige Male ist der Name Gobannos belegt was als „Großer Schmied“ gedeutet und manchmal für den Namen einer Schmiede-Gottheit vergleichbar dem Vulcanus gehalten wird.In Alesia verehrte der Stamm der Mandubier das Götterpaar Ucuetis und Bergusia offenbar als Schutzpatronen der Schmiede und Bronzegießer. Auch in der irischen Sage gibt es zahlreiche Figuren die mit dem Handwerk in Verbindung stehen so die Schmiede der Tuatha de Danaan wie Goibniu, Colum Cualeinech oder Len und der Metallhandwerker Credne Cerd und der Zimmermann Luchta, vor allem jedoch der "Allhandwerker" (Ildanach) Lugh. In den walisischen Mabinogi und Triaden ist vor allem der Schmied Govannon als Repräsentant des Handwerks bekannt sowie Manawyddan, Gwydion und Llew als Repräsentanten der Schusterzunft.

Götter des Todes und der Vorfahren

Laut Cäsar verehrten die Gallier einen Gott, von dem ihr Volk abzustammen glaubte und auch nach griechischen Quellen hatten die Kelten namensgebende Heroen. Cäsar erwähnt keine Namen lediglich identifiziert er den Gott mit dem römischen Dispater, was auf einen Gott der Nacht, der Toten und der Unterwelt oder des Reichtums hindeutet. Laut den Griechen war der Ahnvater der Kelten ein Galates oder Keltos, Sohn der Nymphe Galateia oder der sterblichen Fürstin Keltine und entweder des Apollon, des Hercules oder des Zyklopen Polyphem. Außer gallo-römischen Darstellungen des Dispater gibt es keinerlei Darstellungen, die nachweislich den keltischen Gott der Nacht und der Ahnen zeigen, allerdings wird der Gott Sucellos in einer Inschrift aus Köln mit dem griechischen Plutos gleichgesetzt, der jedoch eher ein Gott unterirdischer Reichtümer war. Unklar bleibt eine Identifikation des gallischen Dispater mit den Göttern Taranis (laut den berner Scholien), Smertrios (laut einer undeutlichen Inschrift) oder Ogmios (laut einer von Francoise Le´Roux übersetzten Fluchtafel). In der irischen Sage tauchen ebenfalls zahlreiche Vorfahrengestalten auf so z.b. Britus oder Britain Mael und Cruithne als Vorfahren der Britannier oder Pikten und Gaedel Glas, Miled und Feinius Farsaid als Vorfahren der Gälen oder Goidelen und Fenier, allerdings gehen zumindest große Teile dieser Abstammungssagen auf mediterrane und Biblische Einflüsse zurück die die irischen Mönche verarbeiteten. Ähnliches gilt für britannische Schriften in denen Figuren wie Britto oder Brutus und Prydein oder Pryderi als mythische Vorfahren der Britannier genannt werden.

Götter der Wälder und der Natur

Einige Götter der Kelten stellten wohl Beschützer oder Herren der Wälder und der Natur oder Tiere dar, diese wurden von den Römern mit Silvanus oder Faunus gleichgesetzt. Die bekanntesten Namen sind Vinotanus, Vernostonus, Medugenus, Cranus und vor allem Sucellus. Letzterer wurde in der Spätantike als bärtiger Mann mit einem kleinen Topf, in der einen und einem mächtigen Hammer oder Schlegel in der anderen Hand, dargestellt. Die Namen der Götter geben aus, dass sie mit Wein und Met zu tun hatten und eventuell Götter der Fruchtbarkeit oder des Rausches waren.Der Gott Cernunnos wird ebenfalls häufig als Gott der Wälder und Hirsche gedeutet.In der irischen Sage konnte bisher kein überzeugendes Beispiel einer solchen Götterfigur gefunden werden, lediglich in den walisischen Mabinogi wurde die Figur des Gwern, Sohn der Branwen aus etymologischen Gründen als Entsprechung zum Gott Vernostonus vorgeschlagen.

Götter der Kraft und der Sprache

Berühmt ist die Schilderung eines griechischen Autoren über den keltischen Gott der Sprachgewalt oder Redekunst. Laut Lucanus von Samosata wurde dieser, zumeist mit dem Hercules gleichgesetzte Gott als alter sonnenverbrannter Mann dargestellt, der an langer Kette eine große, fröhliche Zahl von Anhängern hinter sich herführt. Dieses Bild ließ oft an einen Psychopompos oder Seelengeleiter denken. Des Berichtes zufolge aber war die körperliche Kraft nur eine Metapher für den Logos oder die Wortkraft, die dieser Gott symbolisierte. Die Archäologie bestätigt dies, da auf Fluchtafeln, die man fand, häufig nicht etwa wie sonst üblich der Kriegsgott sondern der Gott Ogmios angerufen wurde. Neben dem Fluchgott Ogmios wurden auch die Götter Magusanus, Smertrios, Baldruus, Erge und Andosto mit dem gallischen Hercules identifiziert. Darstellungen eines riesigen, kahlköpfigen Mannes mit gewaltiger Keule oder Knüppel die an Hercules-artige Darstellungen erinnern wurden recht häufig in Gallien und Britannien entdeckt. Mit ihnen in Verbindung steht u.a. auch der Cerne Abbas Giant. In der irischen Sage entspricht dem Gott Ogmios auch namentlich die Figur des Ogma, der nicht nur der Vorkämpfer der Tuatha de Danaan sondern auch der sagenhafte Erfinder der Ogham Schrift war. In der walisischen Literatur ließ sich eine der keltischen Gottheit entsprechende Figur bisher nicht glaubhaft ableiten.

Weitere männliche Gottheiten

Zu den bekanntesten weiteren männlichen Gottheiten der Kelten zählen die berühmten Flussgötter der Donau und des Rheins, Danuvius und Rhenus.Zwei weitere Gottheiten, die mit Wasser zu tun hatten, waren der mit Neptun identifizierte Benacus der Lokalgott des Gardasees sowie der aus den maritimen Alpen bekannte Lero, dessen Name mit dem keltischen Wort für Meer zusammenhängt. Ein mit Saturn oder Chronos identifizierter Gott Alus oder Anvalus könnte eine Gottheit der Ernten oder Jahreszeiten dargestellt haben. Interessant sind auch der nur einmal erwähnte aber mit Eros gleichgesetzte Gott Briganitius und Abellio, der ein Gott der Apfelbäume oder des Lebens war. In der irischen Sage existieren verschiedene Gestalten, die auf Meeres- und Wassergottheiten hinweisen, so z.B. Lir und der Formore Tethra als Verkörperungen des Meeres sowie Lirs Sohn Manannan, der ebenfalls häufig als Meeresgottheit gedeutet wird und in seiner anderen Gestalt als Orbsen Schutzgeist des Sees Loch Orbsen ist. Gleichfalls als mögliche Wassergottheit angesehen wird Elcmar oder Nechtan vom Brug na Boinne dessen Name mit dem des Neptun verwandt ist. Mit der Saat oder Ernte werden manchmal Tuirenn und Bress in Verbindung gebracht, Ersterer da sein Name wohl mit Getreide zusammenhängt und Zweiterer, da er der Sage nach den Tuatha de Danaan das Geheimnis erfolgreicher Aussaat verriet. Manchmal wird jedoch Bress auch, gemeinsam mit Midir, aufgrund seiner Attribute auch als „Liebesgott“ interpretiert. In der walisischen Sage entspricht Manawyddan den irischen Manannan und LLyr dem irischen Lir, wobei beide allerdings nicht eindeutig als Meeresgötter auftreten. Auf einen Wassergeist ähnlich dem irischen Orbsen könnte die Gestalt des Tegid Hoel des Geistes des Tegid-Sees hinweisen, obgleich sein Name römischen Ursprungs ist. Eine Verkörperung des Ackerbaus ist im "großen Landmann" Amaethon zu sehen.

Weibliche Gottheiten

Die „große Königin

Wichtig war bei den Kelten das Konzept einer großen Götterkönigin oder Muttergottheit. Dargestellt wurde diese wohl zumeist throhnend und Gaben im Schoß haltend, in Britannien gehörnt oder mit einem mondbarkenartigen Kopfschmuck. Ein eher seltener Name der Götterkönigin war wohl die mit der Juno gleichgesetzte italisch-keltische Annea, besser gesichert ist Rigani deren Vermählung mit dem Stammesgott Toutanus bei den Ostkelten jährlich am 11. Juni, zehn Tage vor Mittsommer gefeiert wurde.Mehrere keltische Göttinnen tragen in der Spätantike den romanisierten Beinamen „Regina“ so z. B. auch Rosmerta und Epona. In der irischen Sage werden mit dem Konzept einer großen Königin vor allem die Morrigan und Rigru Rosclethan in Verbindung gebracht, allerdings bezeichnet eine mittelalterliche Glosse auch Anu als "Mutter der irischen Götter", zumeist wird auch die Figur der Danu als Königin der Tuatha de Danaan und somit der Götter interpretiert.In der walisischen Sage wird als Entsprechung zumeist die Gestalt der Rhiannon genannt deren Name ebenfalls "große Königin" bedeutet.Der irischen Danu entspricht in Wales die Gestalt der Dôn.

Göttinnen des Landes und des Stammes

Besonders wichtig und hervorzuheben ist die keltische Göttin des Landes und des Stammes. Häufig galten solche Göttinnen als Mütter des nach ihnen benannten Stammes oder Verkörperung eines speziellen Gebietes. Die Funktion der Landesgöttin konnte sich - wie auch die des Stammesgottes - sehr oft mit der anderer Gottheiten wie der Schlachtengöttin überschneiden. Häufig aber wurden die Landesgöttinnen auch mit bestimmten Flüssen oder Quellen identifiziert. Sowohl Brigantia als auch Sequana, Nemetona, Noreia, Sunuxalis und Mattiaca waren Göttinnen, die den Namen von bestimmten Stämmen trugen. Dargestellt wurde die Landesgöttin auf unterschiedliche Art, zum einen entsprach sie vielerorts der thronenden Götterkönigin, zum anderen wurde sie auch anders dargestellt, wie z. B. Sequana als Gottheit auf einem Entenboot.In der irischen Sage entspricht das Konzept der Landesgöttin zumeist dem der "souvereignty" d.h. der verkörperten Herrschaft des Landes. Als Verkörperungen der Souvereignty werden so z.b. Macha, die Morrigan aber auch Brigid gesehen. Vor allem aber wird die Souvereignty durch die Figur der Cailb verkörpert. Es sind aber auch direkte Verkörperungen des Landes Irland bekannt so z.b. die drei Schwestern Eriu, Banba und Fohla sowie Cessair als erste Siedlerin Irlands oder Anu die ebenfalls oft als Verkörperung der Insel Irland angesehen wird.

Die „keltische Venus“

In der Gallo-römischen Spätantike weit verbreitet war eine Göttin, die mit der römischen Venus gleichgesetzt wurde. Aus Gallien sind keine sicheren einheimischen Namen überliefert, die einzige bekannte Gleichsetzung der Venus mit einer wohl keltischen Gottheit findet sich im kroatischen Nin, in der Göttin Ansotica, die aber auch von vielen eher für Illyrisch als keltisch gehalten wird.Vermutlich handelt es sich also um eine keltische Übernahme des ursprünglichen römischen Kultes. Durch Zaubertafeln ist bekannt, dass die keltische Venus eine Göttin der Frauen war und vor allem der Geburt, Liebe und besonders der Gesundheit und Heilung. Darstellungen der Venus sind recht häufig, zumeist zeigen sie eine junge, unbekleidete Frau mit besonders langem Haar, auch Darstellungen einer tanzenden oder badenden Venus sind bekannt was sie eventuell mit den keltischen Flussgottheiten in Verbindung bringen könnte. Der auffällige runde Bauch einiger keltischer Frauengöttinnen deutet daraufhin, dass die Göttin in Gestalt einer schwangeren Frau verehrt wurde.Ob die Darstellung auf Indigene Vorstellungen zurückgeht oder einen spätantiken Synkretismus darstellt ist umstritten. In der Inselkeltischen Literatur existieren zahlreiche weibliche Figuren die mit Liebe, Schönheit und Frühling in Zusammenhang stehen so z.b. bei den Iren Fand, Caer oder Ethniu und bei den Walisern Branwen. Gleichsetzungen mit einer Venus-artigen Göttin und Beziehungen zu altkeltischen Gottheiten generell sind jedoch ungewiss und fallen am ehesten unter Neo-keltische Esoterik.

Göttinnen des Lichts und Handwerkes

Eine weit verbreitete Vorstellung der Kelten war eine Göttin des Lichts, als weibliches Gegenstück zum männlichen Lichtgott. Diese Göttin wurde als Göttin von Handwerk und Künsten aber auch des Feuers von den Römern mit Minerva identifiziert. Der Name der keltischen Göttin Sulis, der mit dem römischen Sol und der germanischen Sól verwandt ist, deutet jedoch eher auf eine Sonnengöttin hin. Wahrscheinlich war sie eine Göttin des Zentralfeuers, der Heilung, Wärme und Thermalquellen. Weitere Göttinnen ähnlicher Funktion sind: Belisama, Amalia und Indennica. Dargestellt wurde die Göttin zumeist als stehende ernst blickende Frau mit langen Gewändern und manchmal Attributen wie Stab oder Helm. Da „Sulis“ Auge bedeutet wird die, eventuell die Sonne stellvertretende, Darstellung eines großen Auges auf manchen keltischen Münzen manchmal mit ihr in Verbindung gebracht.Eine direkte Beschützerin des Handwerks war die Göttin der Schmiede und Metallschmelzer, Bergusia. In der frühen irischen Literatur besitzen die Gestalten der Brigid und Danu starke Licht- und Handwerksattribute und könnten auf ähnliche Vorstellungen bei den Kelten Irlands hinweisen. In den walisischen Sagen werden entsprechende Attribute bei den Gestalten der Ceridwen, Ffraid und Dôn ausgemacht, allerdings nur anhand der Etymologien ihrer Namen und nicht durch entsprechende überlieferte Mythen. Eine eventuelle irische Sonnengottheit wollen viele Autoren in der Gestalt der Grainne sehen was jedoch Spekulation bleiben muss.

Göttinnen der Jagd und der Wälder

Die Göttin der Wildnis ist ein eher weniger bekanntes keltisches Konzept. Trotzdem sind einige Darstellungen von jagenden Göttinnen oder Göttinnen mit Pfeil und Bogen, eine davon ähnlich der nordischen Freya auf einem Eber reitend, bekannt. Gleichgestellt haben die Römer diese Gottheiten zumeist mit Diana, dieser zugeordnet wurden unter anderem Abnoba, Mattiaca, Rotona und Sirona. Auch die Göttin Artio und die Verkörperung der Ardennen, Arduinna, entsprechen dem Konzept einer Jagd- oder Naturgottheit. Abnoba war die Göttin des Schwarzwaldes, Sironas Name bringt sie mit Rehen oder Hirschen in Verbindung und Rotonas Name zeichnet sie als „Radgottheit“ aus. Artio wurde als thronende Muttergottheit in Begleitung eines Bären dargestellt. Aus der inselkeltischen Literatur sind zwar zahlreiche kriegerische Frauengestalten wie z.b. Scathach bekannt doch konnte bisher keine überzeugende Göttin der Jagd oder Wälder unter ihnen nachgewiesen werden. Anhand ihrer Attribute und etymologien wollen allerdings einige neuzeitliche Autoren der Esoterik Beziehungen zwischen walisischen Sagengestalten wie Ceridwen und Penardunn mit der Göttin Diana ausmachen.

Göttinnen der Schlacht und des Kampfes

Eine sehr weit verbreitete Vorstellung der Kelten war die einer weiblichen Schlachtengottheit, gleichgesetzt wurde diese mit der römischen Victoria oder seltener auch mit Bellona. In Gestalt der britannischen Göttin Brigantia war die Schlachtengöttin mit der der Stammesgöttin identisch. Weitere überlieferte Namen sind Cassibodua, Andraste, Litavis und Andarta. Zumeist wurde die Schlachtengöttin in Gestalt einer bewaffneten kriegerischen Frau mit Schild, Speer und Helm verehrt, die Göttin Cassibodua jedoch ist wahrscheinlich noch zusätzlich mit den Darstellungen einer Krähe auf zahlreichen keltischen Münzen in Verbindung zu setzen. Die Darstellung der Gottheit als Aasvogel sowie die Bedeutung ihres Namens „Schlachtkrähe“ deuten auf eine weitere Funktion als Totengottheit und Überbringerin der Seelen der Gefallenen ins Reich der Toten hin. Eine ähnliche Vorstellung ist von den Keltiberern überliefert, die ihre Toten jedoch von Geiern zerfleischen ließen, denen man nachsagte, sie würden die Seele des Toten mit ins Jenseits nehmen. In der frühen irischen Literatur existieren zahlreiche weibliche Gestalten wie Macha, Morrigan,Nemainn, Badb, Scathach oder Brigid mit Bezugt zu Kampf und Schlacht die als Kriegsgöttinnen gedeutet werden könnten. In der walisischen Literatur sind derartige Gestalten allerdings kaum auszumachen.

Göttinnen des Schicksals und der Fruchtbarkeit

Sehr bekannt ist der keltische Typus der Schicksalsgöttin, diese wird zumeist mit dem Kult der „Matronae“ oder „Matres“ in Verbindung gebracht, die je nach Region entweder als „Iunones“, „Cereres“ oder „Parcae“ mit römischen Göttinnen gleichgesetzt wurden. Matrona taucht auch als einzelgestaltige Göttin, nämlich als Flussgottheit der Marne auf. Im allgemeinen werden diese Schicksalsgöttinnen als Göttinnen des Glücks, der Fruchtbarkeit und der Erde angesehen und mit den griechischen Moiren oder den Nornen der skandinavischen Sage in Verbindung gebracht. Viele nehmen an, dass in den deutschen „Drei Frauen“ oder „Drei Marien“ die Matronen weiterlebten, die wahrscheinlich germanisch-keltisch stämmigen Namen Anbede, Borbede und Wilbede scheinen ebenfalls auf eine Verbindung hin zu deuten. Eine bekanntere einzelgestaltige Schicksalsgottheit war dagegen Karnuntina,eine Lokal- und Stadtgöttin die der Fortuna gleichgesetzt wurde und zumeist als weibliches Gegenstück zu Cernunnus oder als Stammesgöttin der Karnuten betrachtet wird sowie "Göttinnen der Fülle" wie Rosmerta oder Ussia, die als weibliche Gottheiten mit Attributen der Fruchtbarkeit, insbesondere des Füllehorns dargestellt wurden. Es lässt sich nicht nachweisen, ob es sich hierbei um eine eigenständige Form von Göttervorstellung oder nur um eine Variation der Idee von der Stammes-, Landes- oder Schicksalsgöttin handelte. Mit der altkeltischen Göttin Matrona werden manchmal die irische Sagengestalt Boann sowie die walisische Modron in Verbindung gebracht die in der Sage mütterliche Attribute besitzen, jedoch beide niemals in der Dreigestalt erscheinen.Figuren die in Dreigestalt auftauchen wie Brigid, Etain und Macha könnten jedoch auf verwandte Vorstellungen auch bei den Gälen hinweisen. Eine weitere mögliche Dreigestalt könnte bei den walisischen Bendith Mamau vorliegen.

Göttinnen der Unterwelt oder des Frühlings

Die keltische "Frühlings-" oder "Totengöttin" sowie Fluchgöttin wurde mit der römischen Proserpina gleichgesetzt. Zwei überlieferte Namen solcher Göttinnen sind die keltiberische Adaegina sowie die in Süddeutschland und dem Donaugebiet verehrte Aericura. Genuin keltische Darstellungen der Unterweltsgöttin sind nicht zu bestimmen, zumeist werden gallo-römische Darstellungen nach Art der römischen Proserpina mit ihr in Verbindung gebracht. In einigen Fällen ist die keltische Unterweltsgöttin auch in Begleitung eines Hundes, möglicherweise des Cerberus dargestellt.Die an Proserpina angelehnte Darstellung der Aericura mit einen Apfelkorb ließ zudem jedoch auch an eine Göttin des Frühlings denken ,allerdings ist der Apfel in der keltischen Mythologie auch ein Symbol des Lebens nach dem Tode bzw. der Unsterblichkeit. Als mögliche walisische Entsprechung zu einem Persephone-Mythos wird in der neo-keltischen Esoterik häufig die Gestalt der Creiddylad erwähnt. Andere Sagenfiguren wie Morrigan, Ernmass oder die Black Annis weisen zwar eine Unterwelts- und Todessymbolik auf, ihnen scheint jedoch wiederum der gleichzeitige Fruchtbarkeitscharakter der altkeltischen Göttinnen zu fehlen.Die Funktion einer Frühlingsbringerin erfüllt die schottische Bride.

Die göttliche Reiterin

Zumeist als „Pferdegottheit“ bezeichnet wird die äußerst beliebte keltische Epona. Tatsächlich war ihre Funktion als Schutzgottheit der Reiterei und der Pferdezucht in der gallo-römischen Kultur sehr wichtig, doch ging ihre Bedeutung wohl weit über dies hinaus. Die Gleichsetzung mit der römischen Ops und ihre Ähnlichkeit mit der bei den Galatern so beliebten Kybele weisen eher auf eine Himmels und Schöpfungsgottheit nach der Art der griechischen Rheia hin als auf eine simple Schutzgottheit der Pferde. In ihrem kriegerischen Aspekt wurde Epona auch manchmal nach Art der römischen Bellona bzw. diese nach Art der keltischen Göttin dargestellt, nämlich als unbekleidete Frau mit langem Haar auf einem galoppiernden Pferd. Allerdings sind auch Darstellungen einer bekleideten Epona mit einen Fohlen und einem Korb voller Gaben bekannt.

Auch die Figur einer reitenden Gottheit die die Symbole von Sonne und Mond in Händen hält auf einigen gallischen Münzen wird bisweilen mit Epona in Verbindung gebracht.Auf einigen Münzen jedoch ist die Trägerin des Mond- oder Sonnensymbols dreigehörnt oder Reitet einen Centauren, was von Epona sonst nicht bekannt wäre. Irische Figuren wie Macha Mong Ruadh und Etain Echraide werden manchmal aufgrund ihrer Pferdeattribute mit Epona in Verbindung grbracht, ebenso wie die walisische Rhiannon.

Weitere weibliche Gottheiten

Auf eine Erdgottheit oder Verkörperung der Erde könnte das Fragment des Göttinnen namens Dumno, was „Welt“ oder „Tiefe“ bedeutet hinweisen, gewöhnlich wird jedoch Dumno- als Stammesgöttin der britannischen Dumnonen angesehen. Die Göttin Litavis wird als "Die Weite" gedeutet, in der gälischen Literatur deuten die Figuren der Domnu und Tailtiu sowie der Cailleach auf eine alte weibliche Erdgottheit hin. Der Typos einer Göttin der Heilung wird vertreten von Göttinnen wie Bormana oder der keltiberischen Maiduna/Meduna und findet vielleicht in der irischen Airmed eine Entsprechung. Die keltisch-germanische Göttin Nehalennia wird oft für eine Göttin der Seefahrt gehalten, wahrscheinlicher ist jedoch aufgrund ihrer Gleichsetzung mit Isis, in ihr eine Göttin der Natur oder eine Totengöttin sehen zu wollen wozu bei den Inselkelten bisher keine überzeugende Entsprechung gefunden werden konnte. Erwähnenswert ist weiterhin die Göttin Pritona oder Ritona, welche eine besondere Gottheit der Furten und eventuell auch eine Schicksalsgöttin dargestellt hat und die bereits mit der gälischen Gestalt der Bean Nighe oder "Wäscherin an der Furt" in Verbindung gebracht wurde.


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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