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#1

RE: Hans C. Andersen

in ungeliebte Märchen 16.06.2007 08:43
von Trillian | 1.737 Beiträge | 1737 Punkte

Huhu, da hier die sog. "Hassmärchen" thematisiert werden, fällt mir Folgendes dazu ein: Die Märchen von Hans Christian Andersen, wie fandet Ihr die? Ich immer etwas traurig weil ständig starb da jemand.
Okay, das "Kleine Zündelholzmädchen" (o.s.ä.) hat noch irgendwie einen mystischen Aspekt - sie stirbt an einem Weihnachtsabend, als alle Menschen friedlich am warmen Kamin sitzen, ihren Vogel mampfen und sie keiner in ihr Haus hineinlässt. Das Mädchen erfriert traurig draußen auf der Straße, einsam und allein *schnüff*..
aber ihr Tod hat etwas.., irgendwie gefällt mir dadurch das Märchen wieder etwas besser..

Dann, das mit der Nixe, war das nicht auch von ihm? Die schöne Wassernixe die sich in einen Menschen verliebt hatte. Unterirdisch lebt sie im Meer und betet ihren Prinzen an! Aber sie kann ihn nicht erreichen, nicht wirklich, weil sie ja eine Nixe ist *schmacht*
Wirklich traurig diese Märchen .., und für echte Winterabende, geschweige denn verregnete Herbsttage, m.E. höchst ungeeignet. Gefahr!!!! An alle Leser die zu Depris neigen: Meidet die Märchen von Hans Christian Andersen!

Das sind meine Gedanken zu diesem Thema.

Liebe Gemini, liebe Grüße zu Dir!


Liebe Grüße,
Trillian

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#2

RE: Hans C. Andersen

in ungeliebte Märchen 16.06.2007 08:58
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

Ja traurig sind sie allemal, aber waren sie nicht schöööön traurig?
Will Gefühl nicht in seiner Stimmung bedient werden? Im Winter melancholisch, gemütlich in der Stube sitzend, draußen saut es, Decke übern Knie, Kakao und Kerze auf dem Tisch und ein Märchenbuch von Andersen, für mich nur schön und wenn dann noch eine Katze im Raum ist und schnurrt...
Der Andersen hat sich eigentlich frei geschrieben in seinen Märchen, seine Märchen sind in ihren Stimmungen von seinem Leben geprägt. Die Geschichte vom Mädchen mit den Schwefelhölzern war etwas, das ihm als Geschehen über Hörensagen zur Kenntnis kam und sehr bewegte.

Ich mochte alle seine Märchen, eben bis auf das vom Mädchen mit den Schwefelhölzchen, da wäre ich am liebsten in das Buch gekrochen und hätte die Leute geschüttelt.Das war ja so real, die tröstende Sterbezene mit der wartenden Mutter konnte mich nicht versöhnen. Die hätte auch noch 60 Jahre warten können fand ich.
Ich war nämlich ein Fan von Charles Dickens, bei dem gehen die schlimmen Lebenslagen immer so schön gut aus...

Trilli, ganz liebe Grüße zurück hab mich über Deinen Besuch gefreut, müssen wir in echt auch mal wieder....


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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#3

RE: Hans C. Andersen

in ungeliebte Märchen 16.06.2007 23:03
von Enibas | 4.111 Beiträge | 4120 Punkte

So verschieden sind die Meinungen und jede muss akzeptiert werden.
Gerade die von H.C.A. finde ich ansprechend, weil er schon damals nicht "altmodisch" erzählt hat. Seine Märchen können in jedem Jahrzehnt gelesen, erzählt werden und es passt immer.

Dass viele Geschichten traurig enden, das ist Realität wie sie immer wieder vorkommt und vorkommen wird.

Kommt immer darauf an, wenn ich in negativer Stimmumg bin, lasse ich mich von einer negativen/traurigen Geschichte noch tiefer herunter ziehen - und das klappt perfekt. Bei einem Märchen ist es immer noch der Abstand, weil ich mich nicht damit identifiziere.


Sabine

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#4

RE: Hans C. Andersen

in ungeliebte Märchen 11.02.2008 22:05
von Leselust | 2.098 Beiträge | 2098 Punkte

So sehr ich Andersen schätze, einige seiner Märchen finde ich gräßlich. In einem wird ein Mädchen für nichts als eine harmlose Mädcheneitelkeit grauenvoll bestraft, in diesem wird ein auf ganz unrealistische Weise böses Mädchen in die Hölle verfrachtet. Von dieser Art hat Andersen noch mehr geschrieben; immer enden die Geschichten zwar mit der Erlösung der armen Seele, aber zunächst einmal verfrachtet er sie in die Hölle und beschreibt grauenvolle Strafen. Das werde ich keinem Kind und keinem Erwachsenen vorlesen.


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#5

RE: Hans C. Andersen

in ungeliebte Märchen 04.06.2008 10:23
von *Naira* (gelöscht)
avatar

Hallo

Also ich kenne nur das Mädchen mit den Zündhölzern … stimmt es ist sehr traurig, aber es regt doch auch zum Nachdenken an … ist das evtl. Sinn seiner Märchen?

Ist es nicht Realität ... erst wenn etwas geschieht, wacht man auf?

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#6

RE: Hans C. Andersen

in ungeliebte Märchen 04.06.2008 12:05
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

Ich gehe nochmal auf Leselusts Beitrag ein und die zwei von ihr verlinkten Märchen.
Diese Geschichten muss man mit dem Hintergrund seiner Biografie bewerten, es sind keine guten Märchen, aber sie haben was von biografischem Schreiben. Einer der Versuche, sich von seinen Kindheits- und Familienerfahrungen freizuschreiben.
In den meisten Biografien erfahren wir über seine Familie nichts, gar nichts, außer, dass sie arm war.
Hier zum Beispiel: Biografie
Wenn in dieser Biografie geschrieben wird, dass er ein Herumtreiber war, klingt das ja irgendwie so, als wäre es eine von ihm selbst gewählte Lebensform gewesen.
Andersen wuchs bei einer alkoholkranken Mutter mit einer Stiefschwester auf und es muss da so eine Art Hass-Geschwisterbeziehung gegeben haben.
Diese Schwester wurde Hure. (Sind jetzt die roten Schuhe ein Hinweis darauf, oder nur ein Hinweis auf Putzsucht - keine Ahnung. Jedenfalls waren rote Schuhe in meiner Kindheit noch anrüchig für Frauen und erzeugten Kommentare; waren aber schon ab und an an Frauenfüßen zu sehen, wenn sie prima zur Kleidung passten. Jetzt sind sie ja das Huren-Immage los, denk ich.)
Die Stiefschwester stand auch mal um Unterstützung bittend vor seiner Tür und wurde so kalt abgespeist, dass sie nie wiederkam. Sie hatte sich dann auf einem Dachboden erhängt.


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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#7

RE: Hans C. Andersen

in ungeliebte Märchen 13.07.2008 23:15
von Mondheld | 37 Beiträge | 37 Punkte

Moin moin,

zu Andersens Märchen ist immer zu sagen, dass alle einen sehr stark biografischen Hintergrund haben und dass der Mensch offenbar ein zumindest im Allgemeinen nicht ganz so glückendes Leben geführt hat. Entsprechend sind viele seiner Märchen ziemlich melancholisch - "traurig" finde ich sie nicht einmal so sehr... Diese Melancholie teilen sie mit wirklich vielen Kunstmärchen.
"Belehrend" sind sie - finde ich - nicht, im Vergleich mit Märchen anderen Autoren. Sie sind unterhaltend. Ich finde, sie sind mit unglaublich viel Inbrunst und Engagement erzählt und, wenn ich seine Biographie richtig im Kopf habe, waren sie urtümlich "erzählt". Er hat sie erst später aufgeschrieben. Und diese Fabulierfreude spürt man (als Erzähler zumindest) durch seine ganzen Geschichten hindurch. Bevor ich angefangen habe, die ein oder andere Geschichte von ihm zu erzählen, ist mir das nie so bewusst gewesen.
Ich finde außerdem, dass abgesehen von der Geschichte selbst der Hintergrund einer jeden Geschichte von ihm wiederum erzählenswert ist und dass im Erzählen dann eben Andersen in seiner ganzen Melancholie, Ironie und Fablulierkunst vor dem inneren Auge entsteht.

Liebe Grüße

Christoph


:nuts:

Es gibt eben Menschen,
die werden schon erstaunt geboren...

:P

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#8

RE: Hans C. Andersen

in ungeliebte Märchen 24.01.2010 20:37
von sternenfrau (gelöscht)
avatar

Hallo ,

das Märchen von der kleinen Meerjungfrau gehört zu den mystischsten Märchen überhaupt.

Eine Nixe ist in der Mythologie die letzte Stufe eines Entwicklungsweges (siehe Sternzeichen Fische). Wenn sich nun diese Nixe in einen Menschen verliebt, dann muss sie in ihrer Entwicklung zurückgehen. Wenn sie sich zu einem vermeintlichen Menschen zurückentwickeln will, dann braucht sie Beine. Ihr Fischschwanz muss also gespalten werden. Eine Nixe mit einem gespaltenen Fischschwanz und einer schönen Stimme ist aber eine Sirene, die den Menschen schaden will. Aus diesem Grund musste sie auf ihre Stimme verzichten und stumm sein. Denn sie liebte den jungen Mann und wollte ihm nicht schaden. Der geliebte Mann wusste das aber nicht und sie konnte es ihm nicht erklären.

Dieses Märchen zeigt, dass eine Entwicklung eigentlich unumkehrbar ist und eine vermeintliche Rückentwicklung, d.h. der Verzicht auf eine bereits erreichte Stufe, ins Unglück führt.

Nur als Märchen kann dieser Mythos zu einem erlösenden Ende führen.

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