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#1

RE: Engel und Engelkult

in Mythologie 07.01.2010 16:40
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte




Artikel aus dem ökomenischem Kirchenlexikon:

Engel

Gabriel, Michael und Raphael sind die drei Engel, die in der Bibel namentlich erwähnt werden und die in der katholischen Kirche als Heilige verehrt werden. Für Augustinus war der Begriff "Engel" die Bezeichnung einer Aufgabe, nicht die eines Wesens. Nach kirchlicher Lehre zeigt Gott in Engeln den Menschen seine Nähe.


Geflügelte Götter oder Dämonen gab es schon bei den Ägyptern, Babyloniern, Assyrern, Persern, Griechen und Römern. Bei den Babyloniern verteidigte ein geflügelter Gott den geordneten Kosmos gegen das Chaos - ein Motiv, das beim Erzengel Michael wieder auftaucht. Die geflügelte griechische Siegesgöttin Nike - römisch: Victoria - wurde häufig als Statue neben die des Herrschers gestellt; als Siegesboten kommen Engel häufig auch in der christlichen Kunst neben Christus oder Maria vor. Der griechische Gott Hermes - römisch: Merkur - sollte Reisende schützen und glückliche Gemeinschaft stiften und kommt damit der Funktion von Raphael nahe.

Das Alte Testament stellt sich das Umfeld Gottes oft als nach dem Bild eines weltlichen Hofstaates vor; Gott ist umgeben von Dienern (Hiob 4, 18), auch als "Heilige" (Hiob 5, 1; Psalm 89, 6) oder "Gottessöhne" (5. Mose 32, 8; Ps 89, 6) bezeichnet. Die "Cherubim" (Psalm 80, 2; Psalm 99, 1) stützen Gottes Thron, bewegen seinen Wagen (Ezechiel 10), bewachen das Paradies (1. Mose 3, 24) und die Bundeslade (2. Mose 25, 18f; 1. Könige 6, 23 - 29). Die "Seraphim" besingen Gottes Herrlichkeit (Jesaja 6, 3). Die himmlische Schar befolgt gehorsam Gottes Weisungen (Psalm 103, 20), stellt die Verbindung zur Erde her (1. Mose 28, 12) und beschützt und trägt die Menschen (Psalm 91, 11 - 13). Auch Gott selbst erscheint auf der Erde in Engelsgestalt, so vor Hagar (1. Mose 16, 7 - 13), vor Abraham (1. Mose 22, 11 - 18), vor == Mose (2. Mose 3, 2ff) und auch vor dem ganzen Volk Israel (Richter 2, 1 - 4). In der nachexilischen Literatur wird klar unterschieden zwischen den guten Himmelswesen und den Dämonen samt Satan (Sacharja 3, 1 - 2). In den apokolyptischen Schriften erhalten sie schließlich Aufgaben und Namen nach ihrer Funktion: Michael, dem höchsten aller Engel, wird die Gemeinde anvertraut (Daniel 10, 13; Daniel 12, 1), Gabriel dient als Botschafter (Daniel 8, 16; Daniel 9, 21ff) und Raphael als Beschützer (Tobit 3, 17).

Das Neue Testament stellt sich in die Tradition mit seiner Anschauung vom himmlischen Hofstaat aus:
Erzengel (1. Thesalonicherbrief 4, 16),
Cherubim (Hebräerbrief 9, 5),
Throne, Herrschaften, Mächte und Gewalten (Kolosserbrief 1, 16).
Gabriel verkündet Elisabeth und Maria die Geburt ihrer Söhne (Lukas­evangelium 1, 19 und 26); die himmlische Heerschar verkündet den Hirten die Geburt des Herrn (Lukas­evangelium 2, 9 - 14), ein Engel den Frauen Christi Auferstehung (Matthäus­evangelium 28, 5 - 7), zwei Engel den Jüngern den Sinn der Himmelfahrt Christi (Apostel­geschichte 1, 10 - 11). Engel schützen die Armen und Bedrohten (Matthäus­evangelium 18, 10; Apostel­geschichte 12, 15) und geleiten sie in den Himmel (Lukas­evangelium 16, 22). Im Himmel singen die Engel das Gotteslob (Johannes­offenbarung 4, 8 - 9). Sie tragen die Gebete der Heiligen empor (Johannes­offenbarung 5, 8) und bekämpfen unter Führung von Michael den Drachen, "die alte Schlange, die auch Teufel oder Satan heißt" (Johannes­offenbarung 12, 7 - 9).

In den Anfängen der christlichen Kunst Mitte des 3. Jahrhunderts wurden Engel noch ohne Flügel, stattdessen mit Buchrolle oder Botenstab, und als Männer - auch mit Bart - dargestellt. Ende des 4. Jahrhunderts gab es erste Darstellungen geflügelter Engel. Erst im ausgehenden Mittelalter tauchten die "Putten" - lateinisch für "kleiner Junge" - auf, die in Aussehen und Bewegung unbeschwert wie kleine Kinder scheinen.

Der sich Dionysios "der Areopagite" nennende Schriftsteller des 6. Jahrhunderts entwickelte die Lehre von Engeln, die in drei Kategorien einzuteilen seien:
An oberster Stelle Cherubim und Seraphim, ausgestattet mit vielen Flügeln und Augen, die Gott unmittelbar zur Seite stehen.
Auf der zweiten Stufe stehen die "Gewalten, Herrschaften und Mächte",
darunter die "Engel, Erzengel und Fürstentümer".

Auch Thomas von Aquin teilte die Engel in drei Hierarchien mit jeweils drei Chören ein:

-In der ersten Hierarchie - beauftragt mit dem Dienst am Throne Gottes - sind die "Seraphim" als die höchsten Engel, die "Cherubim" und die "Throne".
Seraphim sind der Widerschein höchster Gottesliebe und beten Gott ununterbrochen an;
Cherubim bilden den Abglanz der göttlichen Weisheit;
Throne sind ein Aufleuchten der göttlichen Majestät.

-In der zweiten Hierarchie wird die Herrschaft Gottes im Universum verwaltet durch die "Herrschaften", die "Gewalten" und die "Fürsten".
Die Chöre der zweiten Hierarchie vergleicht Thomas mit den mittelalterlichen Fürsten, die die Länder eines Königs verwalten; diese drei Chöre sind Verwalter im Auftrag Gottes.

-In der dritten Hierarchie, die für den Dienst am Menschen zuständig ist, finden sich die "Mächte", die "Erzengel" und die "Engel".

Hildegard von Bingen ging ebenfalls von neun Chören und drei Gruppierungen aus, teilte aber der ersten Gruppe nur zwei, der zweiten fünf und der dritten wieder zwei Chöre zu. In diesem Schema 2 - 5 - 2 bildet die äußere Reihe einen Kranz um den mittleren Fünfer-Kranz. Die beiden äußeren Gruppen stehen im Dienst des Leibes und im Dienst der Seele, die mittleren fünf Chöre stehen für die fünf Sinne.

Das 4. Konzil im Lateran formulierte 1215 die bis heute in der katholischen Kirche maßgebliche Auffassung: Gott "hat in seiner allmächtigen Kraft zu Anfang der Zeit in gleicher Weise beide Ordnungen der Schöpfung aus dem Nichts geschaffen, die geistige und körperliche, das heißt die Engelwelt und die irdische Welt und dann die Menschenwelt, die gewissermaßen beide umfasst, da sie aus Geist und Körper besteht. Denn der Teufel und die anderen bösen Geister sind von Gott ihrer Natur nach gut geschaffen, aber sie sind durch sich selber schlecht geworden." Auch für die Reformatoren, so Martin Luther und Johannes Calvin, war das Wirken von Engeln selbstverständlich; viele Kirchenlieder der Reformation zeugen davon.

Im apokryphen alttestamentlichen Äthiopischen Henochbuch werden die Namen der "sieben heiligen Engel, die allzeit wachen" genannt: zuerst Uriel, "der über der Welt und dem Abgrund steht", dann Raphael, "der den Menschengeistern vorsteht", Raguel, "der über der Lichtwelt wacht", Michael, "der über das heilige Volk Israel und über das Chaos gesetzt ist", Sariel, der "über die Geister, welche die anderen Geister zur Sünde veranlassen" herrscht, Gabriel, der "dem Paradies, den Schlangen (den Seraphim) und den Cherubim" vorsteht, schließlich Remiel bzw. Jeremiel, der als Engel der Auferstehung die Seelen der Gerechten nach dem Tod bis zum Eingang ins Himmelreich behütet.

Die Verehrung von sieben Engeln wurde immer wieder praktiziert, von der Kirche aber immer abgelehnt. Im späten Mittelalter wurde der Engelkult von der sich ausdehnenden Heiligenverehrung zunehmend verdrängt. Im 15. Jahrhundert wollte der Mönch Amadeus Menez de Silva († 1482) eine Offenbarung mit sieben Erzengelnamen erhalten haben: Michael, Gabriel, Raphael, Uriel, Jehudiel, Barachiel und Sealtiel. Die katholische Kirche schritt gegen den Versuch, die sieben Engelfürsten unter diesen Namen zu verehren, ein; auch das Bestreben, wenigsten für Uriel eine kirchliche Anerkennung zu erreichen, schlug fehl; es blieb bei den drei biblischen Engeln.

1516 wurde in Palermo eine Angelus geweihte Kirche renoviert, dabei fand man ein Fresko, das sieben Erzengel vor dem Thron Gottes und mit ihren Attributen zeigt sowie deren Aufgaben benennt:
Michael, Satan unter den Füßen mit Palmzweig und Lanze mit Kreuzfahne in Händen, ist "Victoriosus", "der Sieghafte";

Gabriel mit Laterne in der rechten und Spiegel in der linken Hand ist "Nuncius", "der Bote";

Raphael, in der linken Hand das Salbgefäß, an der rechten den jungen Tobias, ist "Medicus", "der Arzt";

Uriel trägt ein Schwert und drückt es an seine Brust, während unter seinem linken Fuß eine Flamme züngelt, er ist "Fortis Socius", "der starke Gefährte";

Jehudiel hat in der einen Hand eine Krone, in der anderen eine Geißel und ist "Remunerator", "der Vergelter";

Barachiel trägt weiße Rosen im gerafften Gewand als "Adjutor", "der Helfer";

Sealthiel mit gefalteten Händen und gesenktem Haupt als "Orator", "der Fürbitter".

Das Fresko erregte großes Aufsehen, die Kirche wurde nun den sieben Engelfürsten geweiht.

Der Pfarrer von Palermo, Antonio del Duca, konnte Papst Pius IV. dann bewegen, 1560 durch == Michelangelo in Rom die Kirche S. Maria degli Angeli zu Ehren der Gottesmutter und der sieben Engel bauen zu lassen; über dem Altar dieser nun zweitgrößten Kirche von Rom ist Maria mit den sieben Engeln nach dem Vorbild aus Palermo dargestellt; die Engelnamen wurden ein Jahrhundert nach der Einweihung der Kirche getilgt, lassen sich aber noch erschließen; ihre Aufgabenbeschreibung ist heute noch erhalten: Michael ist "bereit, um die Seelen in Empfang zu nehmen"; Raphael ist "Begleiter der Wanderer" und sagt zu: "ich heile die Kranken"; Jehudiel verspricht: "denen, die Gott loben, verleihe ich den Lohn"; Sealthiel zitiert aus dem "Dies irae": "Gebeugt flehe ich zu dir!"; Barachiel fleht: "Helfer, verlass uns nicht!"; Uriel zeigt an, wie "die Liebe flammt in Feuerglut"; Gabriel verkündigt: "Der Heilige Geist wird über dich kommen".
Pietro Perugino: Gott und Engel, 1507 - 08, Stanza dell' Incendio di Borgo, im Vatikanspalast

Pietro Perugino: Gott und Engel, 1507 - 08, Stanza dell' Incendio di Borgo, im Vatikanspalast

Vor überzogenem En­gels­kult, der an Stelle der Orientierung an Jesus Christus offenbar in der jungen Chris­tenge­meinde von Kolos­sä sich ausgebreitet hatte, warnte Paulus: "Lasst euch durch niemand um euren Kampfpreis bringen, der sich gefällt in scheinbarer Demut und Verehrung der Engel ... und der sich nicht hält an das Haupt" (Kolosserbrief 2, 18 - 19).

Der Psychologe C. G. Jung beschreibt die Wirksamkeit von Engeln als "personifizierte Übermittler unbewusster Inhalte, die sich zu Wort melden". Sie geben dem Kind tiefere Gebor­gen­heit, als Menschen dies vermögen, vermitteln Schutz und beruhigen auch tiefsitzende Ängste. Ohne die Botschaft der Engel fließe die Energie des Unbewussten "in das Gebiet der Affektivität respektive in die Triebsphäre ab. Daraus entstehen Affektausbrüche, Gereiztheit, Launen und sexuelle Erregungen, wodurch das Bewusstsein gründlichst desorientiert zu werden pflegt". * Engel seien "ein Stück der objektiven Psyche", "eine Gegenposition zum subjektiven Ich", die Ahnung vermitteln von "Schönheit, Güte, Weisheit und Gnade" **.

Die evangelische Pastoralpsychologin Ellen Stubbe hat im Anschluss an den englischen Kinderanalytiker Donald Winnicott Engel als "Übergangsobjekte und Übergangsphänomene" in der Erlebniswelt des Kindes bezeichnet: zwischen der Äußeren Umwelt und der inneren Gefühlswelt werde somit Überwindung von Ängsten und schwierigen Gefühlen und das Vertrauen auf Sicherheit und Geborgenheit möglich. *** Wenn innerer oder Äußerer Zerfall drohe, könnten sie das brüchige Ich zusammenhalten. Engel wirken "zum einen in einer Hilfestellung zum Aufbau eines Selbst, zum anderen in der Bewahrung eines vorhandenen Selbst."

Zitat


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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#2

RE: Engel und Engelkult

in Mythologie 07.01.2010 17:04
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

Erfahrungsbericht eines Lesers der GEO-Sonderausgabe ENGEL

http://www.ciao.de/GEO_Magazin_Magazin__Test_1396944

Zitat
Engel

Seit mehr als 5000 Jahren glauben die Menschen an Engel. Früher wurden sie von den Sumerern und den Babyloniern als geflügelte, monumentale Wesen dargestellt. Bei den Römern hatten nicht alle Engel das Recht auf Flügel, sondern nur die höchsten Rangstufen. Die Seraphim hatten sogar 6 Flügel. Mit zweien bedeckten sie ihr Antlitz, mit zweien ihre Füße und mit zweien flogen sie. Das frühe Christentum aber, daß den heidnischen Engelkult absetzen wollte, stellte sie flügellos und männlich erdennaher dar. Erst im 5. Jahrhundert erhielten auch die christlichen Götter Flügel, aber anfangs waren diese Engel noch durch byzantinischen Einfluss wehrhaft. Erst in der Frührenaissance wurden Eros, Frauen- und nackte Kinderengel populär. Im ausgehenden Mittelalter wurden die Engel mit Emotionen versehen: Freude bei Jesu Geburt und Trauer bei seiner Grablegung. Im 14. Jahrhundert wurde der weibliche Engel mit Blumen und Harfe spielendevon den Künstlern entdecktund in Renaissance und Barock schrumpfte der Engel sogar zum Kleinkind, zur Putte. Als kleine Knaben waren die Engel nackt oder nur leicht bekleidet, flügellos oder mit Flügeln. Er wurde verniedlicht und der früheren Mode entsprechend war er dicklich und so wurde er für die Menschen leichter zugänglich als die mächtigen, furchtteinflößenden und wehrhaften Engel. Da der Engel so geschwächt war verschwand er erst einmal ganz von der Bühne.
Die gesamte Christenheit nahm das den Erzengel Michael für ihr Wohl in Anspruch. Im 11. Jahrhundert richtete das Heilige Römische Reich Deutscher Nation etliche „Michelsberge“ ein, damit Michael, der auch von den Griechen, Portugiesen und Franzosen zum Patron gekürt worden war, definitiv zum Engel der Deutshcen gemacht wurde. Daher ist der „Michel“ das Wahrzeichen der Deutschen.
Den ersten Stoß versetze ihm die Reformation mit Martin Luther, der dem Engel kleine Aufgaben bei der Organisation der Welt und des Menschenlebens zugestand. Er lehnte aber den Aberglauben, daß durch das Vorzimmer der Engel die Tür zu Gott führe, ab. Jean Calvin zweifelte daran, daß jedem Gläubigen ein Schutzengel zustand. Bereits in der spirituellen Welt des alten Orient war der geflügelte Genius bekannt, der auch später noch bei den Römern Beschützer von Haus und Familie verehrt wurde.
In der Gegenreformation wurden weiterhin gab es noch weiterhin Engelbruderschaften und Schutzengelfeste, aber im 18. Jahrhundert verstieß die Aufklärung die Engel ganz in das Reich der Legende.


Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert, mit Beginn der Zweiten Industriellen Revolution, bekamen die Engel wieder eine Chance. Zu dieser Zeit begann auf der ganzen Welt die Oberschicht damit, Gläser und Tische zu rücken und Geister zu beschwören. Theo- und Anthroposophen suchten Kontakt mit dem Unsichtbaren, das seine technische Metapher in der Elektrizität gefunden hatte.
1989 begann die „Renaissance der Engel“. Zu ihren Ehren wurden Veranstaltungsreihen eröffnet mit Engelsmeditationen, Ausstellungen und Gesprächsabende über Gabriel (Bote Gottes), Michael (Bekämpfer des Teufel und Anführer der himmlischen Heerscharen, Vertrauter Gottes, Fürsprecher der Menschen bei Gott), Raphael (Schutzpatron der Pilger, Reisenden und Apotheker; hebr. „Gott hat geheilt“) und Uriel (einer der höchsten Götter, Regent der Sternenwelt und des Engelheeres; hebr. „Mein Licht ist Gott“).
Weil wir Radio hören können, telefonieren und kommunizieren können ohne den anderen dabei zu sehen und so hunderte von Kilometern problemlos überbrücken können fällt es uns heute leichter an Engel, diese Wesen aus Licht, glauben zu können. Wir können leichter an sie glauben, weil wir täglich drahtlose Nachrichten versenden und so können wir eher annehmen, daß die „Telefonate“ mit den Engeln durch uns hindurch gehen. Engel können sich von A nach B bewegen, ohne Zwischenräume zu durchmessen. Und so können sie an dem einen Zweitpunkt an dem einen, und an dem anderen Zeitpunkt an dem anderen Ort sein, ohne daß eine Zwischenzeit vorhanden ist. Diese Leitsung, welche den Engeln schon im Mittelalter zugetraut wurde, ist durch die raumvernichtende allgegenwart des Internets vorstellbar. Und nach Johannes Damascenus erscheinen sie nicht so, wie sie sind, „sondern so, wie die Sehenden sie sehen können“. Engel ließen sich als Verkörperung der neuen Wirtschaftsstruktur interpretieren: service-orientiert, flexibel und mobil. Da so viele Verbingungen zwischen Engeln und der heutigen Zeit gezogen werden können, ist es kein Wunder, daß Mitte der 90ziger Jahre 70% der Amerikaner an Engel glaubten und 30% behaupteten sogar schon einmal einen gesehen oder gefühlt zu haben. In Deutschland konnte das nur jeder Zehnte von sich behaupten, aber jeder Zweite Deutsche glaubt an einen persönlichen Schutzengel. In dieser als zerrissen und haltlos empfundenen Welt gibt es ein stark ausgeprägtes Schutzbedürfnis, weshalb sich auch so viele Menschen an den Schutzengelglauben hängen. Der Engel ist wie ein Therapeut und ein Notarzt, der 24 Stunden das ganze Jahr über die ganze Zeit bereit ist uns bei unseren Problememen zu helfen, und der uns bei seinen „Behandlungen“ nicht einmal weh tut. Engel sind immer in Bewegung, sie stehen niemals still und deswegen erkannt man sie meistens erst, wenn sie schon vorübergegangen sind. Aber trotzdem sind Engel immer da, man würde ohne sie nicht existieren können. Man kann Engeln nicht rufen, sie sind plötzlich da.
(Aus einem Interview von GEO und Drewermann, Theologe und Psychoanalytiker)
Da die Kirche auf viele durch ihren zu großen Wunsch nach Kontrolle etwas ängstigend wirkt und weil sie fern gerückt ist, suchen und finden offenbar viele ihr religiöses Bedürfnis in den Engeln und viel mehr Menschen glauben an sie als an Gott. Den intimen Trost , den die Meschen früher in der Kirche gefunden haben, geben ihnen jetzt die Vorstellung einer persönlichen Zuwendung und Schutz von den Engeln. Hier finden sie Halt und Geborgenheit. Im Engelsglauben lassen sich viele Elemente finden, die in der Kirche weggeredet wurden und weshalb da das Gefühl der Sicherheit fehlt. Die Engel sind selbstständig geworden, sie sind im Glauben vieler nicht mehr an das Christentum geknüpft. Der Engel ist ganz nah bei der Erfahrung der Liebe angesiedelt und viele glauben, daß wenn die Engel zu uns kommen werden, daß sie dann in der Sprache der Liebe zu uns sprechen werden. (Rainer Maria Rilke: Engel sind der untere Rand des Schönen, das wir gerade erst begreifen.) Wir wollen, daß unser verlorenens Leben umfangen und behütet ist. All diese Sicherheit, diesen Halt meinen viele in diesen wundersamen Lichtwesen, den Engeln, zu finden


Engel
Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein,
manchmal sind sie alt und häßlich und klein,
die Engel.
Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,
die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
oder wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.
Dem Hungernden hat er das Brot gebracht,
der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
er hört, wenn du rufst, in der Nacht,
der Engel.
Er steht im Weg, und er sagt : Nein,
der Engel.
Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein -
Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
Rudolf Otto Wiemer


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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#3

RE: Engel und Engelkult

in Mythologie 17.05.2011 06:35
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

Engel in Literatur, Film und Werbung -Magisterarbeit von Carina Böttcher


http://www.mythos-magazin.de/mythosforschung/cb_engel.pdf


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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