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#1

RE: Wilhelm Busch

in Jubiläum, ein guter Grund ... 10.01.2008 11:59
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

100. Todestag: Wilhelm Busch bleibt ein Rätsel

Artikel von Welt-online

Hannover (dpa) - Genialer Zeichner, heimlicher Landschaftsmaler, Dichter für alle Lebenslagen: Wilhelm Busch (1832-1908), der Querkopf aus der niedersächsischen Provinz, war eine Jahrhundert-Begabung.

Die Streiche seiner berühmten Lausbuben «Max und Moritz» amüsieren seit Jahrzehnten Leser in aller Welt, Zitate wie «Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör» aus der «Frommen Helene» wurden zu geflügelten Worten. Pünktlich zum 100. Todestag des Satirikers mit dem bitterbösen Humor am 9. Januar beschäftigen sich neue Biografien und zahlreiche Ausstellungen mit dem Phänomen Wilhelm Busch.

In der Jubiläums-Schau im Wilhelm-Busch-Museum Hannover, die am 13. Januar eröffnet wird, steht die Persönlichkeit des Künstlers im Mittelpunkt. Wer war eigentlich Busch und wo liegen die Quellen seiner sprudelnden Fantasie? Diese Fragen beschäftigten bereits Generationen. Immer wieder wurden dem Zeichner gefühlloser Sadismus, Antisemitismus oder Frauenhass unterstellt - und dabei wurde außer Acht gelassen, dass er seine Umwelt durch Übertreibungen karikiert. «Busch ist Menschenkritiker und Gesellschaftskritiker», betont Museumsdirektor Hans Joachim Neyer.

Mit kaltem, sezierendem Blick nimmt der Krämersohn aus Wiedensahl bei Hannover die Spießbürger seiner dörflichen Umgebung aufs Korn: Ungezogene Kinder, prügelnde Eheleute, versoffene Pfarrer, scheinheilige Betschwestern und immer wieder Tierquäler. In seinen Bildergeschichten hält er brutale Todesarten fest: «Max und Moritz» werden - «rickeracke» - in der Mühle zermahlen, die «Fromme Helene» kommt im Suff einer Kerze zu nah: «Hier sieht man ihre Trümmer rauchen, der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen», reimt Busch dazu. Andere Figuren werden in die Luft gesprengt, plattgewalzt, geköpft oder an der Nase aufgehängt.

Es sind dieselben Effekte, die einem heute noch beim Zappen durch die Fernsehprogramme begegnen: etwa in Zeichentrickfilmen à la «Tom und Jerry» oder der provozierenden MTV-Show «Jackass». Dabei zuschauen, wie andere körperliche Schmerzen erleiden, ruft eine gewisse Angstlust hervor. Buschs Komik, die auf Schadenfreude setzt, hat Comic-Autoren in New York und sogar Filmemacher in Hollywood beeinflusst. Sie kopierten Anfang des 20. Jahrhunderts typische Elemente - etwa verknotete Arme und Beine.

Bereits zu seinem 175. Geburtstag im vergangenen April wurde der Bienenzüchter, Kettenraucher und Quartals-Trinker als «Ur-Vater des modernen Comics» gefeiert. Die Ausstellung «Avantgardist aus Wiedensahl» in Hannover rückte im ersten Jubiläumsjahr den kaum bekannten Maler Wilhelm Busch in den Blickpunkt. Im zweiten Jubiläumsjahr geht es um den Menschen Wilhelm Busch, der schon seinen Zeitgenossen Rätsel aufgab und keinen Biografen an sich heran ließ. 1872 zog sich der Eigenbrötler endgültig ins Pfarrhaus zu Schwester Fanny und Schwager Hermann Nöldeke nach Wiedensahl zurück. Vor seinem Tod verbrannte er alle an ihn gerichteten privaten Briefe und möglicherweise auch seine Tagebücher.

Deshalb wird die Geschichte der vermutlich unerfüllten Liebe zu Johanna Kessler wohl nie erzählt werden. Die Bankiersgattin richtete ihm 1868 in Frankfurt in ihrem Haus Wohnung und Atelier ein. 1877 kam es zum Zerwürfnis mit der Freundin, Busch floh endgültig in die Heimat. Die Literaturwissenschaftlerin Gudrun Schury zitiert in ihrer lesenswerten Biografie einen Brief, den der ewige Junggeselle am 12. Februar 1875 an Johanna Kessler schrieb: «Ich wollt ich wär ein Eskimo, säße hinten am Nordpol, tief unter der Schneekruste, tränke Leberthran und könnte mich wärmen, an Was ich Möchte. Bei Ihnen brennt's Feuer im Kamin. Da säß ich auch recht gern.» Für den grantigen Sonderling Wilhelm Busch könnte dies schon ein Liebesgeständnis gewesen sein.

www.wilhelm-busch-museum.de


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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#2

RE: Wilhelm Busch

in Jubiläum, ein guter Grund ... 10.01.2008 12:04
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

bei wikipedia steht:

Heinrich Christian Wilhelm Busch (* 15. April 1832 in Wiedensahl (bei Stadthagen); † 9. Januar 1908 in Mechtshausen, jetzt Stadtteil von Seesen am Harz) war einer der bedeutendsten humoristischen Dichter Deutschlands und gilt wegen seiner satirischen Bildergeschichten in Versen als einer der Urväter des Comics.


Leben



Busch wurde als ältestes von sieben Kindern geboren. Da in seinem Elternhaus räumliche Enge herrschte, wurde Wilhelm 1841 mit neun Jahren seinem Onkel Georg Kleine – einem Pfarrer in Ebergötzen (bei Göttingen) – zur Erziehung anvertraut. Erst drei Jahre später sah er seine Eltern wieder. Von seinem Onkel erhielt er Privatunterricht, an dem auch sein Freund Erich Bachmann teilnehmen durfte. Bachmann war der Sohn des ortsansässigen Müllers. Die Freundschaft der beiden Jungen hielt ihr ganzes Leben. Die Bachmannsche Mühle taucht in der Geschichte von Max und Moritz auf. Auch die Taten von Max und Moritz sind sicherlich von Wilhelm und Erichs realen Lausbubenstreichen inspiriert. Im Herbst 1846 zog Familie Kleine mit Wilhelm Busch nach Lüthorst am Solling um. Dort konfirmierte ihn Pfarrer Kleine im Jahre 1847.

Im selben Jahr – mit 15 Jahren – begann Wilhelm auf Wunsch seines Vaters ein Maschinenbau-Studium am Polytechnikum Hannover, das er 1851 abbrach. Sein Interesse galt der Malerei. Er wechselte daher auf die Kunstakademien in Düsseldorf, Antwerpen und zuletzt München.

1854 trat Wilhelm Busch dem Kunstverein Jung München bei. Später spielte er mit dem Gedanken, als Bienenzüchter in Brasilien ein neues Leben anzufangen. Die Imkerei hatte er von seinem Onkel erlernt, und Brasilien galt als das El Dorado der Bienenzucht. Seit 1858 - damals starb seine Schwester Anna - befasste er sich intensiv mit Aktstudien, Anatomie, Zeichnen und Malen. Die Rechte für Max und Moritz aus dem Jahre 1865 verkaufte er als Student für 1700 Goldmark oder seinerzeit umgerechnet etwa 1000 Gulden an seinen Verleger Kaspar Braun, der damit ein Vermögen verdiente. Erst im hohen Alter erhielt Wilhelm Busch einen Ausgleich von 20.000 Goldmark, die er einem wohltätigen Zweck spendete.

1864 vollendete er das Werk Der Heilige Antonius von Padua, das jedoch verboten wurde und erst sechs Jahre später erschien. Dafür erhielt er 900 Gulden. Nicht nur hierin, sondern auch in der frommen Helene und anderen Werken prangerte Busch mit einem Augenzwinkern klerikale Bigotterie und amtstheologische Verlogenheit an. Während dieser Zeit wohnte er in einem evangelischen Pfarrhaus. 1868 zog er nach Frankfurt, wo sein Bruder Otto lebte. Dieser machte ihn mit dem Werk des Philosophen Arthur Schopenhauer bekannt. In Frankfurt lernte er Johanna Keßler kennen, die er fortan als eine verständnisvolle Freundin zu schätzen wusste.

1872 zog Busch zurück nach Wiedensahl, von wo aus er häufig zu Auslandsreisen unter anderem nach Italien und in die Niederlande aufbrach. Bis 1884 veröffentlichte er einige seiner berühmtesten Geschichten, wie Fipps der Affe oder Die fromme Helene. 1898 zog er in das Pfarrhaus in Mechtshausen am Harz zu seinem Neffen, Pastor Otto Nöldecke. Dort verstarb er 1908 an Herzversagen.


In den Fliegenden Blättern, einer satirischen Illustrierten, in der Busch seine Zeichner- und Erzählerkarriere begann, finden sich schon 1859 die Rollengedichte Lieder eines Lumpen, die schon zu dieser Zeit das finstere, misanthropische Menschenbild Buschs resümieren. Auch für den Münchener Bilderbogen steuerte er Beiträge bei. Nach Bilderpossen und der Bildergeschichte Krischan mit der Piepe 1864 veröffentlichte Kaspar Braun 1865 Max und Moritz.Mit dieser Veröffentlichung wird Busch schlagartig berühmt. 1867 erschien Hans Huckebein, der Unglücksrabe. Im gleichen Jahr schrieb Busch verschiedene Beiträge für die Zeitschriften Über Land und Meer, Die illustrierte Welt und das Bienenwirthschaftliche Centralblatt.

Nach dem Tod des Vaters 1868 veröffentlichte Busch Die kühne Müllerstocher. Kurz darauf beschäftigte er sich mit der Philosophie Arthur Schopenhauers, dessen Werk er bereits früh bei dem Onkel kennengelernt hatte. Er veröffentlichte 1869 Schnurrdiburr oder die Bienen. Nach dem Tod der Mutter 1870 beabsichtigte er, das 1864 vollendete und bisher verbotene Werk Hl. Antonius zu veröffentlichen. Nachdem die Staatsanwaltschaft das Werk wegen Blasphemie beschlagnahmt hatte, wurde es 1871 aufgrund eines Gerichtsbeschlusses öffentlich zugänglich.

Im Jahre 1872 schrieb und zeichnete Busch drei weitere Bildergeschichten: Die Fromme Helene, Bilder zur Jobsiade und Pater Filuzius. Zwischen den Reisen 1873 nach Österreich und Holland erschien Der Geburtstag oder Die Partikularisten. Bevor Busch 1874 noch einmal nach Holland und Belgien reiste, hatte er Dideldum an seinen Verleger abgegeben. Im selben Jahr erkrankte er wahrscheinlich an einer Nikotinvergiftung, hatte jedoch Zeit, um die Gedichtsammlung Kritik des Herzens zu beenden. Im Jahresrhythmus erschienen Abenteuer eines Junggesellen, Tobias Knopp, Julchen, Haarbeutel und Fipps, der Affe.

1880 wurden die Neuauflagen von Bilderpossen und Stippstörchen für Äuglein und Öhrchen publiziert. Nach einer erneuten Nikotinvergiftung im Februar 1881 schrieb Busch Der Fuchs und Die Drachen. Gesundheitlich angeschlagen ließ er 1882 Plisch und Plum und 1883 Balduin Bählamm und der verhinderte Dichter verlegen. 1884 erschien Maler Klecksel. 1886 veröffentlichte die Frankfurter Zeitung die Reaktion Buschs (Was mich betrifft) auf eine Biografie, welche Eduard Daelen entgegen Buschs Vorstellungen verfasst hatte.

Das Prosastück Eduards Traum erschien 1891. 1895 beendete Busch eine weitere Erzählung: Der Schmetterling. 1904 wurde schließlich die letzte Veröffentlichung zu Lebzeiten Zu guter Letzt herausgebracht.

Nach dem Tod Buschs wurden durch Otto Nöldeke 1908 Hernach, 1909 die Gedichte Schein und Sein und 1910 Ut ôler Welt (Volksmärchen und Sagen) herausgegeben.

Neben seinen bekannten Werken malte Busch auch etwas mehr als 1000 Ölbilder, die er Zeit seines Lebens zurückhielt und die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden. Er gilt als Wegbereiter der Moderne. Busch war mehreren Malern der Münchner Schule freundschaftlich verbunden, darunter auch der "Malerfürst" Franz von Lenbach sowie Rudolf Epp.



Wirkung

Buschs virtuose Kombination von Wort und Bild stellt gleichsam einen Vorgriff auf Comic und Zeichentrickfilm dar. Die Handlung wird wie in einem Film in Einzelsituationen zerlegt. Hierdurch vermittelt er, zuweilen durch Perspektivwechsel verstärkt, den Eindruck von Bewegung und Aktion. Jedes Geschehen in dramatisch-komischer Weise zu Zerstörung, Unordnung und Chaos zu verwandeln, ist ein gemeinsames Grundprinzip im zeichnerischen Werk Buschs und der Entwicklung des Comic und des Zeichentrickfilms. Auch mit sprachlicher Lautmalerei (z. B. „Rickeracke! Rickeracke! Geht die Mühle mit Geknacke" - Max und Moritz -; "Da geht es klirr! und klipp! und klapp!! Und auch der Onkel kriegt was ab“ - Die fromme Helene -) erweist sich Buschs Werk als wegbereitend. Lediglich Erika Fuchs erreichte später fast die sprachspielerische Leichtigkeit der „Geräuschverbalisierung“ Wilhelm Buschs.


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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#3

RE: Wilhelm Busch

in Jubiläum, ein guter Grund ... 10.01.2008 12:26
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

Ich nutze jedes Jubiläum,das sich nur irgendwie anbietet zur Programmgestaltung. Eigentlich aus purem Eigennutz, ein Gedanke weniger, denn man erarbeiten muss, der einem zufällt und der in die Nachfrage passt; man muss auch pragmatisch sein um sein Publikum ansprechen zu können.

In diesem Jahr nun hat sich der Todestag von Wilhelm Busch , dem zeichnenden Reimeschmied oder reimenden Zeichnungsmaler, zum 100. gejährt.
Ich muss zugeben, dass mein Verhältnis zu Busch nicht immer das einer Liebhaberin war, als kleines Kind mochte ich ihn nicht,viel zu sakastisch, aber doch hat er fasziniert und mit den Jahren fand ich in seinen Geschichten mehr und mehr Tiefe und für seine Reime nach und nach den richtigen Ton.
Nicht zu Unrecht bezeichnen viele Busch als Erfinder des Comics, aber im Gegensatz zu so manchem Comic haben seine gereimten Geschichten auch ohne die Bilder Bestand und erzählen die Bilder auch ohne die Texte.
Er war ein Großer, der einen Blick für die menschlichen, allzumenschlichen Eigenschaften hatte und ein Händchen, den Spiegel dafür zu halten.
Vielen nicht so bekannt sind seine Prosaarbeiten, die leise und anrührend sind.
Ja, ich bin eine Liebhaberin der Arbeiten von Wilhelm Busch

seine Malerei kann man zum Teil
hier besehen


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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#4

RE: Wilhelm Busch

in Jubiläum, ein guter Grund ... 13.01.2008 13:40
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

und weil wir hier im Märchenzauber sind,
eine Hänsel-und-Gretel-Fassung von Wilhelm Busch, deren Inhalt der Vor-Grimm-Märchenzeit zugeordnet werden kann, es entspricht einerr Variante, des orientalischen Märchenkreises und der Fassung, die Bechstein im goldenen Rehbock erzählt

hier

naja, nicht ganz, bei Bechstein ist das Ende netter


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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#5

RE: Wilhelm Busch

in Jubiläum, ein guter Grund ... 18.01.2008 13:58
von Leselust | 2.098 Beiträge | 2098 Punkte

Trotzdem erlaube ich mir diesen Hinweis.

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#6

RE: Wilhelm Busch

in Jubiläum, ein guter Grund ... 18.01.2008 14:32
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

finde ich schön, dass Du das ansprichst, meine Antwort setze ich auch in Deinem Forum, weil es dort noch besser passt


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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