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RE: Mauerstücke - Erinnerungsgeschichten

in Bücher vom Dr.- Ronald-Henss-Verlag 21.05.2009 20:42
von Gemini | 11.637 Beiträge | 12100 Punkte

Mauerstücke-Erinnerungsgeschichten

Ein Band mit 28 Geschichten von 28 Autoren, einem Vorwort, eigentlich schon selbst eine Erinnerungsgeschichte, von Walter Momper und einem Geleitwort von Andre Schmitz und interessanten Fototafeln im Anhang.

Im Buch eine Widmung die schon auf den Inhalt hinweist.
Es ist alle gewidmet, die daran glaubten, dass die deutsche Teilung als Folge des 2. Weltkrieges eines Tages überwunden sein würde. Allen, die mit und trotz der Mauer gelebt haben, allen, die wegen der Mauer eine Liebe, eine Freundschaft, einen Teil der Familie, ihre Freiheit oder sogar ihr Leben verloren und allen, die sie am Ende friedlich zum Einsturz brachten. Ebenso jenen, die nachfolgenden Generationen von dem Leben mit der Mauer erzählen und damit Unbegreifliches begreifbar machen und vor dem Vergessen bewahren wollen.
Interessant auch die Zitate auf der Innenseite, von Ulbrichts "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten." Bis zu Schabowskis. "Das tritt nach meiner Kenntnis....ist das sofort, unverzüglich."

Das Buch selbst macht für mein Empfinden einen optimistischen Eindruck durch die Gestaltung. Die deutschen Nationalfarben aufgeteilt im Wort Mauerstücke wirken frisch, nicht konservativ, der Druck ist augenfreundlich groß, das Papier angenehm weiß.
Die Geschichten im Buch wurden von Autoren aus "Ost" und "West" geschrieben, am Ende des Buches gibt es zu jedem Autoren eine kurze Vita.
Die Erzählungen sind sehr unterschiedlich und doch behandeln sie alle das eine, diese absurde Teilung des Landes durch eine tödliche Mauer und die Folgen.

Anne Bergmann schrieb "Jazz in Berlin", eine Geschichte, die ganz unspektakulär über die Zäsur im Leben ihrer Protagonistin durch den Mauerbau berichtet.

Ronald Henss spannt den Bogen weit in seiner kurzen Erzählung "Mauertränen", vom Mauerbau bis zum Mauerfall.

Thomas Gohlke berichtet in "Berliner Mauerjungs" vom Leben mit der Mauer auf Westberliner Seite.

Birgit Jennerjahn-Hakenes erzählt in ihrer Geschichte "Tonträger im Turnschuh" von Erlebnissen an Grenzübergängen der DDR.

Katja Bär erinnert sich in der Erzählung "Gute Freunde" an das Leben an Ostseite der Grenze Ost und ihrer Zeit als Jungpionier.

Thirry Noir, der berühmte Mauermaler, berichtet in "Die Geschichte der Berliner Mauer" vom Leben mit dieser Mauer auf der westlichen Seite.

Andreas Erdmann lässt den Leser in "Im Exil" die Ausreise von Thomas Brasch und Katharina Thalbach aus der DDR deren Folgen hautnah miterleben.

Martine Lombard erzählt in "Die Alleinfahrerin" von einer jungen Frau, die für eine Liebe alles, was ihr bisher Heimat war, aufgegeben hatte.

Silvia Friedrich berichtet in "Fontane sagte nichts dazu" über ihre idealisierten Vorstellungen vom alten Deutschland und der Suche nach familiären Wurzeln.

Patricia Koelle erzählt in "Lebensgrafitti" von ihrer Sehnsucht nach Weite und Wiesen - und den Erfahrungen im Transitverkehr.

Rene Schur berichtet in "Die Mauer meines Vaters" über die Demonstrationen in Leipzig 1989 und was die bei seinem Vater auslösten.

Uwe Hartig erinnert mit einem zwinkernden Auge in "Wiedervereinigung" unter anderem an die Versorgungssituation in der DDR.

Regina Sander lässt den Leser in einer Westberliner Kneipe den Mauerfall miterleben in ihrer Erzählung "Bornholmer Ecke Grüntaler".

Wolf-Rüdiger Wilhelm berichtet in der Erzählung "Zwei Stunden" von einem erinnerungswürdigen Kinobesuch am Bahnhof Zoo.

Alexander Kalinovic schrieb einen Erlebnisbericht über das, was dem damals Neunjährigen unauslöschlich im Gedächtnis blieb vom 09.11.1989 in Berlin.

Fia-Lisa Espen berichtet in "Das andere Deutschland" was sie von der Teilung der Stadt durch ihre Verwandten erfahren hatte und wie das auf sie wirkte.

Inge Wrobel erzählt in der Geschichte "Grenzen" wie eine Frau, für die die deutsche Teilung eigentlich nur bedeutete, dass sie sich einen Rosenbusch im Grenzgebiet, den sie von ihrem Fenster aus sehen konnte, nicht genauer betrachten konnte, sich endlich ihren Wunsch erfüllte.

Sandy Green ließ mit der Erzählung "Vier Ananas" den Rentner Gustav Leidl miterleben, dass sich ein Ostberliner Ehepaar im Supermarkt holte, was ihm vermeintlich zustand, da so lange vorenthalten.

Christiane Schlenzig erinnert sich in der Erzählung "Der Eisverkäufer" an die Reaktionen der Leute auf die ersten "Westprodukte".

Bettina Buske nimmt mit ihrer Erzählung "Ist ja wirklich so!" einige Vorurteile von und gegen Ostdeutsche in den Fokus.

Tengis Khachapuridse erzählt in "Zwei Steine" von seiner Liebe zu einer Westberlinerin, von erduldeten Schikanen und Hoffung auf Veränderung.

Renate Parschau nimmt in "Der 3. Oktober 1990" deutsche Schwierigkeiten mit der Nationalhymne satirisch ins Visier.

Michael Dullau berichtet in "Das Lächeln des Generals" wie ein kurzer Augenblick in einer Gerichtsverhandlung Bände sprach.

Pierre Sanoussi-Bliss erzählt in "Es lebe die Deutsche Demokratische Republik oder Kapverden..." wie die Reiselust einen gelernten Ossi dazu bringt, sich willig für reichlich Geld in FDGB-Urlaubsverhältnisse zu begeben.

Andre Hecker erzählt in "Wendetanz", warum Polka ein so besonderer Tanz für ihn ist.

Thomas Stefan lässt den Leser in "Zettelwirtschaft" teilhaben, wie Werner Specht die Sprache wieder fand.


Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny
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